Dann taucht das Lichtermeer von Jeddah auf. Die riesige Fontaene kann ich allerdings nirgends sehen. Nach der Landung ziehe ich die Abbaja ueber – es ist schon ein sehr viel besseres Gefuehl, als beim letzten mal. Aber war sie eigentlich schon immer so lang? Ich trete laufend drauf …..

In der Halle werde ich bereits erwartet. Haendige mal wieder einem mir voellig fremden Menschen meinen Pass aus – aber diesmal habe ich keine Angst mehr.
Alles ist schnell erledigt, ein Boy fuer die Koffer herangerufen, Zoll. Macht der doch tatsaechlich einen Koffer von mir auf …. Aber wenigstens nicht den, mit dem Schwarzwaelder Schinken drin! Das haette Aerger geben koennen.
In Begleitung der beiden Araber verlassen wir die Halle. Draussen wartet der Fahrer, Abdullah, auf uns. Er kommt mir entgegen, strahlt und heisst mich willkommen. Seine Freude ist so richtig herzlich. Madame Olfat hat wohl schon den ganzen Tag immer wieder aus Genf angerufen, dass man ja alles gut vorbereitet fuer mich, dass man mich abholt, dass ich es gleich gut habe.

Im “Haus” warten dann Tess und Maria-Theresa mit dem anderen Zimmermaedchen auf mich. Ich werde begruesst, als ob ich die verlorene Tochter waere. Mein Zimmer ist beleuchtet, das Bett aufgeschlagen, eine Kerze brennt, Blumen in der Vase, im Bad “mein” Foehn, alle Duschgels, Seifen, Zahncremes, Handtuecher, Bademantel … und im begehbaren Kleiderschrank liegt mein hummerfarbenes Twinset. Da kann ich zuhause natuerlich lange danach suchen!Die 3 Maedels haben Sandwiches vorbereitet und setzen sich zu mir an den Tisch. Die Obstschale haben sie gefuellt mit meinem Lieblingsobst: frische Mangos (so richtig saftig und sues), Guaven, Pfirsiche …..

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Ploetzlich riss mich das Laeuten des Telefons aus dem Tiefschlaf. Seit wann hatte ich Telefon am Bett? Ich wusste gar nicht, wo ich war, es war daemmrig … wer wollte denn da schon was von mir? Gruesse von Scheich Khaled, Mr. Ghazawi am Telefon, herzlich willkommen …. Nett …. Aber um DIE Zeit? Ein Blick auf die Uhr: 10.30 h ! Ich war total durcheinander. Foto … Arzt …. O ne – erst mal duschen, fruehstuecken. Und dann rief schon der Fahrer an, er stuende parat. Also los. Erst mal zum Fotographen, Passbilder machen. Bei der Gelegenheit gleich mal Batterien fuer meinen Wecker gekauft – der Fahrer hat sie mir bezahlt – ich habe ja noch keine Saudi Rial. Dann zur Bank – aber das klappte schon gar nicht. Wenigstens kam meine Scheckkarte nach langem hin und her wieder aus dem Automaten. Also sollte ich an den Schalter gehen. Ich laufe auf den Eingang der Bank zu und werde sofort zurueckgerufen: I have to use the ladies-entrence! Na denn …. Fahrstuhl zum dritten Stock … eine “weibliche” Schalterhalle mit lauter kleinen Nischen und Sitzgruppen, Kerzen und Blumen. Die Bediensteten sind alles Frauen. Alles sehr freundlich und schoen – aber ich bekomme kein Geld mit meiner Karte. Ich muss erst ein Konto in Saudi haben. Dann eben erst mal nicht.
Da ich lesen und schreiben kann, darf ich alleine mit dem Fahrstuhl wieder runter fahren. Abdul – mein Fahrer – ist enttaeuscht. Er haette mir gerne geholfen.Also fahren wir weiter ins Buerogebaeude von Sheik Khaled. Der grosse Glaspalast mit seinen Wasserlaeufen in der Eingangshalle, den riesigen ueber 3 Stockwerke reichenden Palmen, ueber den spiegelglatten Marmorboden, erreichen wir den Fahrstuhl. Auf den auswechselbaren Teppichfliesen werden wir begruesst: Welcome – Saturday.

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Die Familie hat sich etwas verspaetet – zu meiner Ueberraschung kommt Susi in einer neuen Uniform hoch, etwas geschminkt, frisch frisiert. Ob ich mich nicht auch umziehen wolle, um die Familie zu begruessen. Na ja, dann will ich halt … Wir beobachten im Spielzimmer auf dem Monitor die Bewegungen auf der Strasse vor dem Haus, um die Ankunft der Wagen nicht zu verpassen.
Die Zimmermaedchen bleiben im Kindertrakt – ich gehe in die Haupteingangshalle, die festlich erleuchtet ist. Die beiden Springbrunnenanlagen rechts und links des Eingangs sind in Betrieb und ich sehe zum ersten mal die Flammenschalen in Betrieb. Das ist ein traumhafter Anblick. Das gesamte Personal steht zum Empfang bereit.
Dann endlich ist es so weit und ein lautes und herzliches Hallo von beiden Seiten – echte Freude, dass das Leben nun wieder in den geregelten Bahnen laeuft und die “Familie” wieder komplett ist.
----Heute vormittag gehe ich mit Mila einkaufen. Ich muss doch so ganz langsam mal Zugang zum arabischen Alltag bekommen – habe aber schon etwas Respekt davor nach all dem, was man in Deutschland so ueber dieses Land hoert. Aber im Schutz eines Fahrers und Mila, da bin ich dann doch ganz mutig.

Wir fahren in ein arabisches Einkaufzentrum mit vielen kleinen Geschaeften und gehen als erstes in ein Fruechtegeschaeft.
Ich bin begeistert ! Ein ganzes Regal voll frischer Kraeuter, saeuberlich gebuendelt. Verschienene Gruentoene – die meisten kenne ich nicht. Unter anderem liegen da Schnittlauch, Petersilie und frischer Kardamom. Huebsch aufgestapelte Tuerme aus Auberginen und Gurken, verschiedene Apfelsorten, Orangen, Kiwis, Papaja, Melonen, Mangos, Ananas in allen Groessen, Nuesse, verschiedenste Gemuesesorten. Mila waehlt sorgfaeltig aus und mir steckt der Verkaeufer alles moegliche zum Probieren zu. Er scheint von meiner Begeisterung angesteckt zu sein. Da ich wirklich nicht alles essen kann, gibt er mir eine Tuete und packt die Geschenke ein. Als naechstes machen wir Halt in einem kleinen « Tante-Emma-Laden ». Auch hier sind nur Maenner als Verkaeufer taetig. Hohe Regale, schmale Flure, aber fast alles im Angebot. Und im Vergleich zu Deutschland sehr preiswert. Mila kauft fuer sich einige Dinge ein und ich brauche nichts und habe auch gar kein Geld, um etwas einzukaufen. Mein Vorschuss wird wohl erst heute nachmittag kommen. Dann zeigt mir Mila noch einen grossen Supermarkt,der einzige, der morgens um 8.oo h schon oeffnet. Die uebrigen Geschaefte oeffnen erst um 10 h und haben dann wieder von 14 bis 17 h geschlossen. Dafuer kann dann abends jeder seinen Laden auflassen, solange er moechte. Allerdings muss man damit rechnen, dass zu den Gebetszeiten auch mal kurz geschlossen ist. Heute hat es ca 30 Grad und es ist ausgesprochen angenehm.
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Na ja, das ganze Tagebuch hat 100 Seiten, also belasse ich es bei diesen Auszügen.
Aber es war alles in allem eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte.
Trotzdem: es war auch eine kalte und oberflächliche und freudlose Zeit. Ich hätte nie gedacht, dass Geld sooo unglücklich machen kann. Wunschlos zu leben ? Nein danke! Dann lieber doch etliche unerfüllte Wünsche.
