Da ich mir in Wertheim einen Pfalz-WoMo-Führer erstanden hatte, wollte ichs gleich mal testen und bin den Rückweg also über die Pfalz gefahren. Erste Etappe über Nierstein nach
Gau-Heppenheim. Dort habe ich wieder ein schattiges Plätzchen am Bach bei einem Weinbauern gefunden, wo ich mich bei fast 40 ° mit Buch auf den Liegestuhl zurückgezogen habe. Ein Eimer frisches, kaltes Quell-Wasser für die Füße - so ist Sommer einfach wunderschön! Der Weinbauer kommt auf einen Plausch vorbei und schwärmt für seinen Portugieser Rosè - aber bei deeen Temperaturen kann er mich damit schon gar nicht locken. Trotzdem werde ich mir für zuhause noch eine Kiste davon mitnehmen. Mit Blick über die weiten Getreidefelder schlafe ich dann wieder recht früh ein.
Am anderen Morgen habe ich schon ein bissel ein schlechtes Gewissen, den Montag hatte ich doch wieder total verbummelt und dabei bin ich in so einer schönen Gegend. Aber die Hitze lähmt mich einfach. Trotzdem: heute werde ich mich mal aufraffen und mir auch mal die Gegend zu Fuß etwas betrachten. Ich fahre Richtung Süden weiter und lasse mich von einem braunen Touristikschild ablenken:
Klosterruine Rosenthal. Von solchen Ruinen lasse ich mich immer wieder faszinieren. Da aber ein Einlass nur Sonntags möglich ist, bewundere ich das Gemäuer nur von außen.

Mein nächstes Ziel ist das Bergstädtchen
Neuleiningen. Mein WoMo-le lasse ich aber vorsichtshalber vor dem Stadttor stehen, denn mein Tourenführer warnt vor einer Durchfahrt: ich wäre dann nicht das erste WoMo, das sich - zur Erheiterung der Dorfbewohner - in den engen Gassen verfinge. Also nehme ich nur den Fotoapparat mit und mache meine Zeitreise ins Mittelalter zu Fuß.

"So muss es früher mal gewesen sein!”. Doch früher ist heute in diesem 750 Jahre alten Burgdorf. Die Zeit scheint nur stehengeblieben, und der Traum wird Wirklichkeit – beim Näherkommen. Mit dem Durchschreiten des Stadttores vergisst man die Gegenwart: Kopfstein-gepflasterte Gassen führen vorbei an Fachwerkfassaden und Erkern, an Sandsteinmauern und Torbögen, an malerischen Häuschen und respektablen Höfen. Schmale Treppen verbinden die Gässchen, die sich übereinander gestaffelt durchs Dorf ziehen. Überall plätschern die alten Sandsteinbrunnen und über allem die Burgruine. Immer noch eindrucksvoll und mit weitem Blick ins Rheintal.
Meine nächste Station ist
Altleiningen. Mein Flori schnauft den Berg hoch zur Burganlage, in der heute eine
Jugendherberge untergebracht ist. Auf dem Weg dorthin hört man das Kreischen von Kindern, fröhliches Lachen und Stimmengewirr. Und bevor man die Burganlage betritt, sieht man auch schon wo das herkommt: hier ist ein wunderschönes Freibad auf dem Berg mit direktem Anschluss an die Ju-He. Wenn das kein toller Platz für die Kids ist, wo dann?
Aber mich lockt jetzt erst mal die Burgschänke. Hunger und Durst führen mich auf die dortige Terasse, vorbei an wirklich schön angelegten Kräuterecken. Die alten Mauern der Burg im Hintergrund, einen Sonnenschirm über mir und freier Blick übers Land. Da schmeckt ein eiskaltes Mineralwasser und ein Tiroler Nudelteller ganz besonders gut.

Inzwischen ist es wieder brütend heiß geworden und mein Wunsch nach Sightseeing ebbt rapide ab. Ich steuere also einen schattigen Platz ein Stück vor dem Naturfreundehaus
Rahnenhof an. Irgendwie erinnert mich das an den Wald von Hänsel und Gretel: hohe Tannen, wirklich dunkler Schatten und irgendwie scheint die Welt hier zu Ende zu sein. Aber der schmale Weg führt dann doch wirklich weiter: es gibt hier noch einen Minigolfplatz und eine Wassertretanlage, die ich natürlich gleich ausprobieren muss. Etwas abgekühlt, erwacht dann auch meine Neugierde wieder. Ich hole mir mein Fahrrad vom Ständer und fahre den steinigen Waldweg ins Nichts. Tatsächlich gibt es hier noch versteckte große Villen in riesigen Gärten. Aber dann enden auch diese und der Weg führt nur noch zwischen Himbeerhecken und Bäumen hindurch weiter. Ein Reh kreuzt meinen Weg in aller Ruhe und bleibt gleich nach den ersten Bäumen stehen, um mich zu beobachten. Ich steige ab - und wir schauen uns eine ganze Weile an. Bis das Reh dann seinen Weg gemächlich fortsetzt, sich dabei aber immer wieder umdreht, um mich zu beobachten. Tja, scheint so, als ob auch Rehe neugierig wären. Es ist für mich ein wunderbares Gefühl, so nahe mit und bei der Natur zu sein und auch meine innere Ruhe zu haben, um dies er-leben zu können. Zurück zum Auto und mein Fahrrad alleine auf den Träger hieven - mein Rad ist schwer und der Träger ist hoch angebracht. Aber ich habe es alleine geschafft! (ganz-stolz-bin).
Die Nacht unter den hohen, engen Tannen war aber dann doch etwas duster und unheimlich. Dafür war der Duft nach Tannen und Moos durch das offene Fenster umso besser.
Meine nächste Station
Höningen war dafür für mich ein Reinfall. Mehr als das Foto im Wo-Mo-Buch war dort nicht. Ein richtig verschlafenes kleines, altes Kuhnest. Von der großen Vergangenheit spürte man dort nichts mehr. Und die gerühmte Schnitzel-Kneipe reizte mich nicht, denn Hunger hatte ich keinen.
Also Richtung Bad Dürkheim weiter. Durch die schmucken Weindörfer
Weisenheim und
Leistadt. Irgendwie erinnerten mich die schmalen Durchfahrtsstraßen an die Drosselgasse in Rüdesheim: Überall rankten Weinreben über die Sträßchen und bunte Lichterketten warteten auf ihren nächtlichen Einsatz. In
Bad Dürkheim ließ ich Flori zwischen Saline und dem großen Fass zurück und machte mich bei 40° wieder auf den Weg ins Städtle. Ein Kurstädtle mit Geschichte. Überschaubar und gemütlich. An der evangelischen Kirche fand ich ein großes Plakat: "Kirchen-Wiedereintrittsstelle". Tja, Evangelisierung in der heutigen Zeit.
Mit einem Eisbecher auf dem Marktplatz beendete ich meinen Stadtrundgang (samt Einkaufsbummel). Neue Bücher für meine nächsten Stationen im Gepäck.
Über
Wachenheim ,
Deidesheim,
St.Martin, gings dann weiter - Umleitung über Umleitung! Mein Navi nervt mich entsprechend. Aber die Landschaft ist wunderschön und wird mich irgendwann zu einem längeren Aufenthalt zurücklocken.
Nächste Pause dann in
Neustadt an der Weinstraße. Das ist ein Stadtbild nach meinem Geschmack. Klein und überschaubar, gepflegte Fachwerkhäuser, großer belebter Marktplatz, viele Straßencafes, bunte Geschäfte. Ich genieße den kühlen Schatten in der
Marienkirche und der
Stiftskirche, bummle durch die engen Gassen und gönne mir einen Friseurbesuch.
Aber so langsam muss ich auch ans Heimkommen denken und steuere also Richtung Neuburg am Rheim. Dort lasse ich mich mit der
Autofähre übersetzen und verbringe noch eine Nacht am Rheinufer.

Beobachte die vorbeifahrenden Frachtkähne, sehe, wie sich ein Gewitter am Himmel aufbaut, bestaune die grellen Blitze und freue mich an leider nur sehr wenigen Regentropfen, die die Luft nur geringfügig abkühlen. Das Gewitter entlud sich über Karlsruhe - aber so ganz sicher bin ich mir nicht, ob mir ein Gewitter im kleinen Wohnmobil alleine so richtig Spaß gemacht hätte!