Samstag, 26. Juni 2010

Begegnung mit dem finstersten Teil der deutschen Geschichte

Heute suche ich den Weg nach Struthof. Dort gibt es eine KZ-Gedächtnisanlage. Der Weg dorthin führt schon irgendwie ins Nichts. Eine schmale Straße windet sich den Berg hoch, führt durch ein "Bergdorf", das nicht oft Fremde zu sehen bekommt: die Bewohner schauen mir interessiert nach. Als ich schon fast nicht mehr daran glaube, den richtigen Weg erwischt zu haben, bin ich am Ziel. Ein modernes Glas/Betongebäude an der Straße und ein hohes Denkmal, das mich an eine Flamme erinnert, taucht urplötzlich nach der Kurve auf. Ich hatte viel gehört und gelesen und in der Schule gelernt über die Verbrechen in den KZ's. Aber die Wirklichkeit hier in Struthof hat mich doch sehr sprachlos gemacht und erschüttert.



Ich verbrachte einige Stunden dort in den Gebäuden, und bekam eine Ahnung von der Angst, dem Leid und dem Schrecken, die dort vor heute genau 65 Jahren ihr Ende fanden. Ich fror trotz der Hitze. Einige alte Veteranen mit ihren Fahnen waren heute hier, rote und weiße Rosen lagen bereit, am Fuße des Denkmals war unter einem Sonnensegel gestuhlt für die Gedenk-Feierlichkeiten am Abend. Die Rückfahrt führte mich dann auf der Rückseite des Berges durch weite Wälder, viele Serpentinen und eine einsame Straße und ließ mich meinen Gedanken nachhängen und mich so langsam in die Gegenwart zurückfinden.

Freitag, 25. Juni 2010

nächste Etappe: Waltenheim

Nach einigen Navi-Verwirrungen lasse ich dann Strassburg doch endlich hinter mir und die Fahrt führt durch etliche kleine und schmucke Dörfer nach Waltenheim. Dort gibt es einen Stellplatz direkt an einer kleinen Schleuse. Der kleine Ufergrünstreifen gehört zur angrenzenden Wirtschaft und so gehe ich erst mal vespern. Bei der Hitze genieße ich eine Tellersülze und ein eiskaltes Radler. Die Wirtin ist ausgesprochen freundlich und auskunftsfroh und erzählt gleich über das Dorf, die Geschichte und erklärt uns das "Hexenhaus" gegenüber. Ein kleines, schön renoviertes Häusle, über und über mit der Geschichte von Hänsel und Gretel bemalt. Sieht lustig aus und ist die Touristenatraktion hier in dem kleinen Ort. Ich mache einen Bummel durch den kleinen, alten Ort, bewundere die renovierten und auch die fast zerfallenen Fachwerkhäuser, freue mich an den bunten Gärten, den Katzen in den Fenstern und den Hunden in den Eingängen. Zurück am Kanal hole ich Tisch und Stuhl heraus und beobachte einige Schiffe, die sich der Schleuse anvertrauen. Mit einem der Kapitäne unterhalte ich mich, während er auf die richtige Wasserhöhe wartet: Ich bin überrascht - auf nur ca. 30 km seiner Flussstrecke hat er über 30 Schleusen zu überwinden. Da reicht die Zeit gerade mal für 1 Fahrt am Tag. So langsam senkt sich die Nacht über das Wasser und mir fallen die Augen zu. Ich verschwinde in mein Bett
und lasse mich vom Rauschen des Kanals in den Schlaf begleiten.

weiter Richtung Mutzig

Um 4.30 h bin ich zum ersten Mal aufgewacht: fröhliches Vogelgezwitscher "ums Haus" drang bis tief in meinen Schlaf. Durchs Fenster sehe ich die Äste der Trauerweide über mir und um mich. Ich höre dem Vogelgesang zu und schlafe nochmal tief und fest ein. Und dann Premiere in der Dusche: es ging eigentlich ganz gut - trotz der Enge und des Duschvorhangs, der logischerweise gleich am Körper klebte. Kaffee-kochen und frühstücken im Sonnenschein mit Blick auf die Altstadt. Um 10.30 h gehts weiter Richtung Mutzig. Dort soll eine Festung sein, die für die damalige Zeit als hochmodern galt. Die Geschichte des Elsass hält mich immer wieder gefangen. Auf der Fahrt scheppert es hinter mir und ich halte an: ich hatte alles auf Sicherheit geprüft vor der Abfahrt - aber die Verriegelung des Kühlschranks war mir entgangen. Nun kullern die Aprikosen durchs Auto, Käse und Wurst liegen dekorativ dazwischen. Die Eier und das Gurkenglas haben sich aber tapfer gehalten. Ich räume alles wieder ein, sichere den Riegel und kontrolliere nochmals die Schränke. Nun sollte eigentlich alles sicher und fest sein. Ich fahre weiter.
Mutzig ist ein bezauberndes Städtchen. Sehr sauber, viele bunte Blumenkästen, buntlackierte Bleckblumen an den goldfarbenen Straßenlaternen. Durchs Städtchen durch, den Berg hoch, enge Straße mit vielen Schikanen - ich übe Flori-fahren. Hoch oben dann die Festung. Eine sehr beeindruckende riesige Anlage, die aber auch das Leben dort oben unter den Kriegsumständen ahnen lässt. Leider habe ich die Führung in den unterirdischen Gängen verpasst.
65 Jahre nach Kriegsende hat sich die Natur einen Teil der Anlage wieder zurückerobert und verdeckt dieses erinnerungsschwere Gelände inzwischen mit großen Wiesenflächen, bunten
Blumenteppichen und vielen Büschen.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Erste Ausfahrt mit Flori

Für meine erste Fahrt habe ich mir den Elsass ausgesucht: da kenne ich mich schon ein bissel aus und kann mich daher besser aufs Fahren mit dem neuen Auto konzentrieren. Es ist wieder ein ganz neues Fahrgefühl: ich sitze sehr hoch und habe freie Sicht voraus und auch rechts und links der Straße entdecke ich Dinge, die ich vom PkW aus früher nie sah. Durchs offene Fenster kommt der Duft von frischem Heu herein. Es riecht nach Sommer und Freiheit. Das Wägele fährt sich gut und ich entspanne so langsam. Erste Station ist Breisach. Ein Parkplatz unter einer großen Hängeweide garantiert Schatten. Und für Tisch und Stuhl ist auch noch Platz drunter. Nach einer Siesta in der Mittagshitze mache ich einen Stadtbummel und spaziere durch die Reben. Zur Feier des Tages genehmige ich mir im Kaiserstühler Hof einen Hochgenuss: Als Vorspeise Ziegenfrischkäse mit Balsamico und danach Fischklößchen in Hummersoße auf Bandnudeln und dazu einen super frischen Salatteller. Schleck-lecker!!! Und das Ambiente stimmt auch: ein kühler, schattiger Innenhof durch den ein leichter Wind weht, ein Brunnen plätschert leise vor sich hin und große Lavendelbüsche verbreiten ihren Duft. Dann über den Kirchberg zurück zum Platz. Noch ein bissel im Schatten relaxen und dann ist die nötige Bettschwere perfekt. Und wie üblich: ich schlafe wie ein Murmeltier die ganze Nacht durch.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Reisevorbereitung

Heute habe ich den ganzen Tag mein Wo-Mo-le "in Besitz" genommen: geputzt, ausgeräumt, eingeräumt, umgeräumt, ausprobiert .... und Massen von Kleidung, Putz- und Waschmitteln, Geschirr, Lebensmittel, Landkarten usw. ins Wägele gepackt. Jetzt steht er pico-bello und startklar im Hof. Morgen gehts los!

Montag, 14. Juni 2010

Hier kommt Flori:

So, jetzt ist es entschieden - das "Wägele" gehört mir. Das war ein schlimmer Gewissenskampf, mich von meinem treuen Astra zu verabschieden und doch 2 Nummern größer jetzt zu fahren. Aber die Freiheit ruft und lockt und hat gesiegt. Und damit werde ich künftig unterwegs sein:




Dann kann ich mich ja jetzt mit Reiseplanung beschäftigen :-)

Sonntag, 30. Mai 2010

Elsass im Frühsommer

4 Tage bei strahlendem Sonnenschein im Elsass! Diese Gegend hat für mich einen ganz besonderen Reiz und zieht mich immer wieder magisch an. Die weite Rhein-Ebene, die sanften Weinhügel und dahinter die Vogesen. Romantisch, ursprünglich, geschichtsträchtig, heimelig ... und immer wieder überraschend und anders. Und das alles natürlich am liebsten unter strahlend blauem Himmel.



Wenn man auf der Fahrt durch die Weinberge plötzlich wieder vor einem Soldatenfriedhof steht, wird Geschichte lebendig und die unbeschwerte Fröhlichkeit verwandelt sich urplötzlich in nachdenkliche Momente.



Zurück ins Heute: ein Gauklerfest auf der Hohlandsbourg ...



Das Elsass ist aber auch die Region Frankreichs mit den meisten Orgeln. In knapp 1000 Gemeinden gibt es 1350 Orgeln, von denen 176 zum nationalen Kulturgut erklärt wurden. Die meisten davon stammen aus der Zeit von 1700 bis 1850. Jeder zweite Orgelbauer Frankreichs wohnt im Elsass. Hier zwei wunderschöne Exemplare aus relativ kleinen Dorfkirchen:



Die Hoch-Königsburg hatten die Staufer hier - weithin sichtbar - bereits im 12. Jh. errichtet, wurde später aber mehrmals durch Kriege und Brände zerstört. Im 19. Jh. ließ Kaiser Wilhelm II die Ruine so wieder aufbauen, wie man sich damals eine mittelalterliche Ritterburg vorstellte - gegen den erklärten Willen von Archäologen und Historikern. Das Ergebnis ist eines der umstrittensten Baudenkmäler des Elsass, von seinen Kritikern als "preußisches Disneyland" verspottet. Aber der Besuch hat sich trotzdem gelohnt. Ein beeindruckendes Bauwerk mit wunderbarer Rundum-Sicht.