Montag, 28. Juni 2010

Heimweg - noch eine Nacht am Titisee

So, die erste Aufgabe heute war, meinen Flori von Ballast zu befreien. Also die diversen Abwässer zu entsorgen. War viel einfacher, als ich dachte. Aber ein bissel gewöhnungsbedürftig ist es schon noch. Und dann gings über Marckolsheim - wo ich noch den Transfer eines großen Lastkahns mit über 90 Containern über eine große Schleuse beobachtete, weiter in den Kaiserstuhl.



Eine Pause in Ihrigen, auf der Weiterfahrt noch knacksüße Herzkirschen gekauft, und dann weiter Richtung Heimat. Doch der Titisee lockte mich nochmals zu einer weiteren Rast. Ich fand einen schattigen Stellplatz direkt am Ufer und war gerade rechtzeitig zum ersten Deutschlandtor dort. Der Wo-Mo-Nachbar lud mich zum Mitschauen ein und ich spendierte dafür meine Kirschen der Allgemeinheit. Nach dem Spiel zog ich mich dann zurück und studierte heute mal die unzähligen dicken Bedienungsanleitungen für Flori, seinen Aufbau und seine Einbauten. Himmel hilf !!! Einige Fragen konnte mir schon mein Stellplatznachbar, auch ein Globecar-Fahrer beantworten.
Aber das kriege ich schon hin - eins nach dem anderen.
Um 6.oo h morgens wache ich auf. Vom Bett aus sehe ich über den See - über dem gegenüberliegenden Berg steigt gerade die Sonne auf. Heute habe ich mal wieder "auswärts" geduscht - so richtig mit Bewegungsfreiheit und dicken Wasserstrahl. Ist auch schön. Auf dem Rückweg hab ich mir frische Brötchen mitgenommen und dann gemütlich Kaffee getrunken.



Mit meinen Unmengen altem Brot habe ich die Enten im See gefüttert und damit einen heftigen und bissigen Streit bei diesen ausgelöst. Solange es noch kühl ist, baue ich mein Bett zurück, räume auf und mache Flori wieder stadttauglich. Ist schon ein bissel wehmütig. Aber die Pflicht ruft zuhause. Noch einige Stunden lesen am See und dann gehts die steile Ausfahrt hoch wieder zurück ins "richtige" Leben.
Fazit: die Ausfahrt war gelungen - meine Entscheidung für Flori war richtig - und ich fahre bestimmt bald wieder los !!!

Samstag, 26. Juni 2010

Obernai und Bergheim

Die Dunkelheit der Wälder und die Enge der Bergstraße wich zurück und das lichtdurchflutete Elsass öffnete sich wieder vor mir. Mein Ziel war Obernai. Ein wunderschönes altes und gepflegtes Städtchen. So langsam war ich gewohnt, mich mit Flori dezimetergenau durchzuzirkeln. Gegenüber des Rathauses machte ich Mittagsrast und bestellte mir einen Zwiebelkuchen und ein eiskaltes Mineralwasser. Von meinem Platz aus konnte ich die An- und Abfahrt der Brautautos beobachten: dort im Rathaus wurde ja am laufenden Band getraut! Bei jedem Wechsel gab es ein Gedränge der Hochzeitsgäste im Eingang. Eine Kugel Eis begleitete mich auf meinem Weg durch die Stadt. Aber die Hitze siegte und ich hatte nur noch Sehnsucht nach einem schattigen Rastplatz für Flori und mich. Also zurück ins Auto und nach Bergheim. Mit Blick auf die Hochkönigsburg fand ich einen wunderbaren Stellplatz im Hinterhof eines Winzers. Ein riesiger Garten, teilweise parzelliert durch Hecken, Büsche und Bäume und rechts und links von Weinreben flankiert - das war es, was ich jetzt brauchte. Vesper hatte ich heute früh auf dem Markt gekauft: gerauchte Putenbrust, Salami, Münsterkäse, Tomaten und frische Pfirsiche. Paradiesisch! Heute nacht lasse ich sogar die Hintertüren von Flori auf und schlafe also richtig zwischen den Reben. Der Vollmond steht direkt über meinem Bett.

Begegnung mit dem finstersten Teil der deutschen Geschichte

Heute suche ich den Weg nach Struthof. Dort gibt es eine KZ-Gedächtnisanlage. Der Weg dorthin führt schon irgendwie ins Nichts. Eine schmale Straße windet sich den Berg hoch, führt durch ein "Bergdorf", das nicht oft Fremde zu sehen bekommt: die Bewohner schauen mir interessiert nach. Als ich schon fast nicht mehr daran glaube, den richtigen Weg erwischt zu haben, bin ich am Ziel. Ein modernes Glas/Betongebäude an der Straße und ein hohes Denkmal, das mich an eine Flamme erinnert, taucht urplötzlich nach der Kurve auf. Ich hatte viel gehört und gelesen und in der Schule gelernt über die Verbrechen in den KZ's. Aber die Wirklichkeit hier in Struthof hat mich doch sehr sprachlos gemacht und erschüttert.



Ich verbrachte einige Stunden dort in den Gebäuden, und bekam eine Ahnung von der Angst, dem Leid und dem Schrecken, die dort vor heute genau 65 Jahren ihr Ende fanden. Ich fror trotz der Hitze. Einige alte Veteranen mit ihren Fahnen waren heute hier, rote und weiße Rosen lagen bereit, am Fuße des Denkmals war unter einem Sonnensegel gestuhlt für die Gedenk-Feierlichkeiten am Abend. Die Rückfahrt führte mich dann auf der Rückseite des Berges durch weite Wälder, viele Serpentinen und eine einsame Straße und ließ mich meinen Gedanken nachhängen und mich so langsam in die Gegenwart zurückfinden.

Freitag, 25. Juni 2010

nächste Etappe: Waltenheim

Nach einigen Navi-Verwirrungen lasse ich dann Strassburg doch endlich hinter mir und die Fahrt führt durch etliche kleine und schmucke Dörfer nach Waltenheim. Dort gibt es einen Stellplatz direkt an einer kleinen Schleuse. Der kleine Ufergrünstreifen gehört zur angrenzenden Wirtschaft und so gehe ich erst mal vespern. Bei der Hitze genieße ich eine Tellersülze und ein eiskaltes Radler. Die Wirtin ist ausgesprochen freundlich und auskunftsfroh und erzählt gleich über das Dorf, die Geschichte und erklärt uns das "Hexenhaus" gegenüber. Ein kleines, schön renoviertes Häusle, über und über mit der Geschichte von Hänsel und Gretel bemalt. Sieht lustig aus und ist die Touristenatraktion hier in dem kleinen Ort. Ich mache einen Bummel durch den kleinen, alten Ort, bewundere die renovierten und auch die fast zerfallenen Fachwerkhäuser, freue mich an den bunten Gärten, den Katzen in den Fenstern und den Hunden in den Eingängen. Zurück am Kanal hole ich Tisch und Stuhl heraus und beobachte einige Schiffe, die sich der Schleuse anvertrauen. Mit einem der Kapitäne unterhalte ich mich, während er auf die richtige Wasserhöhe wartet: Ich bin überrascht - auf nur ca. 30 km seiner Flussstrecke hat er über 30 Schleusen zu überwinden. Da reicht die Zeit gerade mal für 1 Fahrt am Tag. So langsam senkt sich die Nacht über das Wasser und mir fallen die Augen zu. Ich verschwinde in mein Bett
und lasse mich vom Rauschen des Kanals in den Schlaf begleiten.

weiter Richtung Mutzig

Um 4.30 h bin ich zum ersten Mal aufgewacht: fröhliches Vogelgezwitscher "ums Haus" drang bis tief in meinen Schlaf. Durchs Fenster sehe ich die Äste der Trauerweide über mir und um mich. Ich höre dem Vogelgesang zu und schlafe nochmal tief und fest ein. Und dann Premiere in der Dusche: es ging eigentlich ganz gut - trotz der Enge und des Duschvorhangs, der logischerweise gleich am Körper klebte. Kaffee-kochen und frühstücken im Sonnenschein mit Blick auf die Altstadt. Um 10.30 h gehts weiter Richtung Mutzig. Dort soll eine Festung sein, die für die damalige Zeit als hochmodern galt. Die Geschichte des Elsass hält mich immer wieder gefangen. Auf der Fahrt scheppert es hinter mir und ich halte an: ich hatte alles auf Sicherheit geprüft vor der Abfahrt - aber die Verriegelung des Kühlschranks war mir entgangen. Nun kullern die Aprikosen durchs Auto, Käse und Wurst liegen dekorativ dazwischen. Die Eier und das Gurkenglas haben sich aber tapfer gehalten. Ich räume alles wieder ein, sichere den Riegel und kontrolliere nochmals die Schränke. Nun sollte eigentlich alles sicher und fest sein. Ich fahre weiter.
Mutzig ist ein bezauberndes Städtchen. Sehr sauber, viele bunte Blumenkästen, buntlackierte Bleckblumen an den goldfarbenen Straßenlaternen. Durchs Städtchen durch, den Berg hoch, enge Straße mit vielen Schikanen - ich übe Flori-fahren. Hoch oben dann die Festung. Eine sehr beeindruckende riesige Anlage, die aber auch das Leben dort oben unter den Kriegsumständen ahnen lässt. Leider habe ich die Führung in den unterirdischen Gängen verpasst.
65 Jahre nach Kriegsende hat sich die Natur einen Teil der Anlage wieder zurückerobert und verdeckt dieses erinnerungsschwere Gelände inzwischen mit großen Wiesenflächen, bunten
Blumenteppichen und vielen Büschen.

Donnerstag, 24. Juni 2010

Erste Ausfahrt mit Flori

Für meine erste Fahrt habe ich mir den Elsass ausgesucht: da kenne ich mich schon ein bissel aus und kann mich daher besser aufs Fahren mit dem neuen Auto konzentrieren. Es ist wieder ein ganz neues Fahrgefühl: ich sitze sehr hoch und habe freie Sicht voraus und auch rechts und links der Straße entdecke ich Dinge, die ich vom PkW aus früher nie sah. Durchs offene Fenster kommt der Duft von frischem Heu herein. Es riecht nach Sommer und Freiheit. Das Wägele fährt sich gut und ich entspanne so langsam. Erste Station ist Breisach. Ein Parkplatz unter einer großen Hängeweide garantiert Schatten. Und für Tisch und Stuhl ist auch noch Platz drunter. Nach einer Siesta in der Mittagshitze mache ich einen Stadtbummel und spaziere durch die Reben. Zur Feier des Tages genehmige ich mir im Kaiserstühler Hof einen Hochgenuss: Als Vorspeise Ziegenfrischkäse mit Balsamico und danach Fischklößchen in Hummersoße auf Bandnudeln und dazu einen super frischen Salatteller. Schleck-lecker!!! Und das Ambiente stimmt auch: ein kühler, schattiger Innenhof durch den ein leichter Wind weht, ein Brunnen plätschert leise vor sich hin und große Lavendelbüsche verbreiten ihren Duft. Dann über den Kirchberg zurück zum Platz. Noch ein bissel im Schatten relaxen und dann ist die nötige Bettschwere perfekt. Und wie üblich: ich schlafe wie ein Murmeltier die ganze Nacht durch.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Reisevorbereitung

Heute habe ich den ganzen Tag mein Wo-Mo-le "in Besitz" genommen: geputzt, ausgeräumt, eingeräumt, umgeräumt, ausprobiert .... und Massen von Kleidung, Putz- und Waschmitteln, Geschirr, Lebensmittel, Landkarten usw. ins Wägele gepackt. Jetzt steht er pico-bello und startklar im Hof. Morgen gehts los!