Donnerstag, 15. Juli 2010

Pfalz-Tour

Da ich mir in Wertheim einen Pfalz-WoMo-Führer erstanden hatte, wollte ichs gleich mal testen und bin den Rückweg also über die Pfalz gefahren. Erste Etappe über Nierstein nach Gau-Heppenheim. Dort habe ich wieder ein schattiges Plätzchen am Bach bei einem Weinbauern gefunden, wo ich mich bei fast 40 ° mit Buch auf den Liegestuhl zurückgezogen habe. Ein Eimer frisches, kaltes Quell-Wasser für die Füße - so ist Sommer einfach wunderschön! Der Weinbauer kommt auf einen Plausch vorbei und schwärmt für seinen Portugieser Rosè - aber bei deeen Temperaturen kann er mich damit schon gar nicht locken. Trotzdem werde ich mir für zuhause noch eine Kiste davon mitnehmen. Mit Blick über die weiten Getreidefelder schlafe ich dann wieder recht früh ein.

Am anderen Morgen habe ich schon ein bissel ein schlechtes Gewissen, den Montag hatte ich doch wieder total verbummelt und dabei bin ich in so einer schönen Gegend. Aber die Hitze lähmt mich einfach. Trotzdem: heute werde ich mich mal aufraffen und mir auch mal die Gegend zu Fuß etwas betrachten. Ich fahre Richtung Süden weiter und lasse mich von einem braunen Touristikschild ablenken: Klosterruine Rosenthal. Von solchen Ruinen lasse ich mich immer wieder faszinieren. Da aber ein Einlass nur Sonntags möglich ist, bewundere ich das Gemäuer nur von außen.


Mein nächstes Ziel ist das Bergstädtchen Neuleiningen. Mein WoMo-le lasse ich aber vorsichtshalber vor dem Stadttor stehen, denn mein Tourenführer warnt vor einer Durchfahrt: ich wäre dann nicht das erste WoMo, das sich - zur Erheiterung der Dorfbewohner - in den engen Gassen verfinge. Also nehme ich nur den Fotoapparat mit und mache meine Zeitreise ins Mittelalter zu Fuß.


"So muss es früher mal gewesen sein!”. Doch früher ist heute in diesem 750 Jahre alten Burgdorf. Die Zeit scheint nur stehengeblieben, und der Traum wird Wirklichkeit – beim Näherkommen. Mit dem Durchschreiten des Stadttores vergisst man die Gegenwart: Kopfstein-gepflasterte Gassen führen vorbei an Fachwerkfassaden und Erkern, an Sandsteinmauern und Torbögen, an malerischen Häuschen und respektablen Höfen. Schmale Treppen verbinden die Gässchen, die sich übereinander gestaffelt durchs Dorf ziehen. Überall plätschern die alten Sandsteinbrunnen und über allem die Burgruine. Immer noch eindrucksvoll und mit weitem Blick ins Rheintal.

Meine nächste Station ist Altleiningen. Mein Flori schnauft den Berg hoch zur Burganlage, in der heute eine Jugendherberge untergebracht ist. Auf dem Weg dorthin hört man das Kreischen von Kindern, fröhliches Lachen und Stimmengewirr. Und bevor man die Burganlage betritt, sieht man auch schon wo das herkommt: hier ist ein wunderschönes Freibad auf dem Berg mit direktem Anschluss an die Ju-He. Wenn das kein toller Platz für die Kids ist, wo dann?

Aber mich lockt jetzt erst mal die Burgschänke. Hunger und Durst führen mich auf die dortige Terasse, vorbei an wirklich schön angelegten Kräuterecken. Die alten Mauern der Burg im Hintergrund, einen Sonnenschirm über mir und freier Blick übers Land. Da schmeckt ein eiskaltes Mineralwasser und ein Tiroler Nudelteller ganz besonders gut.



Inzwischen ist es wieder brütend heiß geworden und mein Wunsch nach Sightseeing ebbt rapide ab. Ich steuere also einen schattigen Platz ein Stück vor dem Naturfreundehaus Rahnenhof an. Irgendwie erinnert mich das an den Wald von Hänsel und Gretel: hohe Tannen, wirklich dunkler Schatten und irgendwie scheint die Welt hier zu Ende zu sein. Aber der schmale Weg führt dann doch wirklich weiter: es gibt hier noch einen Minigolfplatz und eine Wassertretanlage, die ich natürlich gleich ausprobieren muss. Etwas abgekühlt, erwacht dann auch meine Neugierde wieder. Ich hole mir mein Fahrrad vom Ständer und fahre den steinigen Waldweg ins Nichts. Tatsächlich gibt es hier noch versteckte große Villen in riesigen Gärten. Aber dann enden auch diese und der Weg führt nur noch zwischen Himbeerhecken und Bäumen hindurch weiter. Ein Reh kreuzt meinen Weg in aller Ruhe und bleibt gleich nach den ersten Bäumen stehen, um mich zu beobachten. Ich steige ab - und wir schauen uns eine ganze Weile an. Bis das Reh dann seinen Weg gemächlich fortsetzt, sich dabei aber immer wieder umdreht, um mich zu beobachten. Tja, scheint so, als ob auch Rehe neugierig wären. Es ist für mich ein wunderbares Gefühl, so nahe mit und bei der Natur zu sein und auch meine innere Ruhe zu haben, um dies er-leben zu können. Zurück zum Auto und mein Fahrrad alleine auf den Träger hieven - mein Rad ist schwer und der Träger ist hoch angebracht. Aber ich habe es alleine geschafft! (ganz-stolz-bin).
Die Nacht unter den hohen, engen Tannen war aber dann doch etwas duster und unheimlich. Dafür war der Duft nach Tannen und Moos durch das offene Fenster umso besser.

Meine nächste Station ningen war dafür für mich ein Reinfall. Mehr als das Foto im Wo-Mo-Buch war dort nicht. Ein richtig verschlafenes kleines, altes Kuhnest. Von der großen Vergangenheit spürte man dort nichts mehr. Und die gerühmte Schnitzel-Kneipe reizte mich nicht, denn Hunger hatte ich keinen.

Also Richtung Bad Dürkheim weiter. Durch die schmucken Weindörfer Weisenheim und Leistadt. Irgendwie erinnerten mich die schmalen Durchfahrtsstraßen an die Drosselgasse in Rüdesheim: Überall rankten Weinreben über die Sträßchen und bunte Lichterketten warteten auf ihren nächtlichen Einsatz. In Bad Dürkheim ließ ich Flori zwischen Saline und dem großen Fass zurück und machte mich bei 40° wieder auf den Weg ins Städtle. Ein Kurstädtle mit Geschichte. Überschaubar und gemütlich. An der evangelischen Kirche fand ich ein großes Plakat: "Kirchen-Wiedereintrittsstelle". Tja, Evangelisierung in der heutigen Zeit.
Mit einem Eisbecher auf dem Marktplatz beendete ich meinen Stadtrundgang (samt Einkaufsbummel). Neue Bücher für meine nächsten Stationen im Gepäck.

Über Wachenheim , Deidesheim, St.Martin, gings dann weiter - Umleitung über Umleitung! Mein Navi nervt mich entsprechend. Aber die Landschaft ist wunderschön und wird mich irgendwann zu einem längeren Aufenthalt zurücklocken.
Nächste Pause dann in Neustadt an der Weinstraße. Das ist ein Stadtbild nach meinem Geschmack. Klein und überschaubar, gepflegte Fachwerkhäuser, großer belebter Marktplatz, viele Straßencafes, bunte Geschäfte. Ich genieße den kühlen Schatten in der Marienkirche und der Stiftskirche, bummle durch die engen Gassen und gönne mir einen Friseurbesuch.

Aber so langsam muss ich auch ans Heimkommen denken und steuere also Richtung Neuburg am Rheim. Dort lasse ich mich mit der Autofähre übersetzen und verbringe noch eine Nacht am Rheinufer.

Beobachte die vorbeifahrenden Frachtkähne, sehe, wie sich ein Gewitter am Himmel aufbaut, bestaune die grellen Blitze und freue mich an leider nur sehr wenigen Regentropfen, die die Luft nur geringfügig abkühlen. Das Gewitter entlud sich über Karlsruhe - aber so ganz sicher bin ich mir nicht, ob mir ein Gewitter im kleinen Wohnmobil alleine so richtig Spaß gemacht hätte!

Sonntag, 11. Juli 2010

Hitze-Wochenende in FFM

Bei Höchsttemperaturen habe ich einen Besuch in FFM gemacht. Es waren wunderschöne Tage.
Grillen auf Balkonien; mit den Rädern in die Nidda-Auen zum Faulenzen im Schatten; Besuch des Berger Straßenfestes mit lecker afrikanisch Essen und Fußballschauen; eine Schattenwanderung am Feldberg zum Fuchstanz;

Sprühdusche auf dem Balkon ....

und immer viel Zeit und Ruhe und die Möglichkeit für Gespräche miteinander. Ein gelungenes Wochenende und ein DANKESCHÖN!

Montag, 28. Juni 2010

Heimweg - noch eine Nacht am Titisee

So, die erste Aufgabe heute war, meinen Flori von Ballast zu befreien. Also die diversen Abwässer zu entsorgen. War viel einfacher, als ich dachte. Aber ein bissel gewöhnungsbedürftig ist es schon noch. Und dann gings über Marckolsheim - wo ich noch den Transfer eines großen Lastkahns mit über 90 Containern über eine große Schleuse beobachtete, weiter in den Kaiserstuhl.



Eine Pause in Ihrigen, auf der Weiterfahrt noch knacksüße Herzkirschen gekauft, und dann weiter Richtung Heimat. Doch der Titisee lockte mich nochmals zu einer weiteren Rast. Ich fand einen schattigen Stellplatz direkt am Ufer und war gerade rechtzeitig zum ersten Deutschlandtor dort. Der Wo-Mo-Nachbar lud mich zum Mitschauen ein und ich spendierte dafür meine Kirschen der Allgemeinheit. Nach dem Spiel zog ich mich dann zurück und studierte heute mal die unzähligen dicken Bedienungsanleitungen für Flori, seinen Aufbau und seine Einbauten. Himmel hilf !!! Einige Fragen konnte mir schon mein Stellplatznachbar, auch ein Globecar-Fahrer beantworten.
Aber das kriege ich schon hin - eins nach dem anderen.
Um 6.oo h morgens wache ich auf. Vom Bett aus sehe ich über den See - über dem gegenüberliegenden Berg steigt gerade die Sonne auf. Heute habe ich mal wieder "auswärts" geduscht - so richtig mit Bewegungsfreiheit und dicken Wasserstrahl. Ist auch schön. Auf dem Rückweg hab ich mir frische Brötchen mitgenommen und dann gemütlich Kaffee getrunken.



Mit meinen Unmengen altem Brot habe ich die Enten im See gefüttert und damit einen heftigen und bissigen Streit bei diesen ausgelöst. Solange es noch kühl ist, baue ich mein Bett zurück, räume auf und mache Flori wieder stadttauglich. Ist schon ein bissel wehmütig. Aber die Pflicht ruft zuhause. Noch einige Stunden lesen am See und dann gehts die steile Ausfahrt hoch wieder zurück ins "richtige" Leben.
Fazit: die Ausfahrt war gelungen - meine Entscheidung für Flori war richtig - und ich fahre bestimmt bald wieder los !!!

Samstag, 26. Juni 2010

Obernai und Bergheim

Die Dunkelheit der Wälder und die Enge der Bergstraße wich zurück und das lichtdurchflutete Elsass öffnete sich wieder vor mir. Mein Ziel war Obernai. Ein wunderschönes altes und gepflegtes Städtchen. So langsam war ich gewohnt, mich mit Flori dezimetergenau durchzuzirkeln. Gegenüber des Rathauses machte ich Mittagsrast und bestellte mir einen Zwiebelkuchen und ein eiskaltes Mineralwasser. Von meinem Platz aus konnte ich die An- und Abfahrt der Brautautos beobachten: dort im Rathaus wurde ja am laufenden Band getraut! Bei jedem Wechsel gab es ein Gedränge der Hochzeitsgäste im Eingang. Eine Kugel Eis begleitete mich auf meinem Weg durch die Stadt. Aber die Hitze siegte und ich hatte nur noch Sehnsucht nach einem schattigen Rastplatz für Flori und mich. Also zurück ins Auto und nach Bergheim. Mit Blick auf die Hochkönigsburg fand ich einen wunderbaren Stellplatz im Hinterhof eines Winzers. Ein riesiger Garten, teilweise parzelliert durch Hecken, Büsche und Bäume und rechts und links von Weinreben flankiert - das war es, was ich jetzt brauchte. Vesper hatte ich heute früh auf dem Markt gekauft: gerauchte Putenbrust, Salami, Münsterkäse, Tomaten und frische Pfirsiche. Paradiesisch! Heute nacht lasse ich sogar die Hintertüren von Flori auf und schlafe also richtig zwischen den Reben. Der Vollmond steht direkt über meinem Bett.

Begegnung mit dem finstersten Teil der deutschen Geschichte

Heute suche ich den Weg nach Struthof. Dort gibt es eine KZ-Gedächtnisanlage. Der Weg dorthin führt schon irgendwie ins Nichts. Eine schmale Straße windet sich den Berg hoch, führt durch ein "Bergdorf", das nicht oft Fremde zu sehen bekommt: die Bewohner schauen mir interessiert nach. Als ich schon fast nicht mehr daran glaube, den richtigen Weg erwischt zu haben, bin ich am Ziel. Ein modernes Glas/Betongebäude an der Straße und ein hohes Denkmal, das mich an eine Flamme erinnert, taucht urplötzlich nach der Kurve auf. Ich hatte viel gehört und gelesen und in der Schule gelernt über die Verbrechen in den KZ's. Aber die Wirklichkeit hier in Struthof hat mich doch sehr sprachlos gemacht und erschüttert.



Ich verbrachte einige Stunden dort in den Gebäuden, und bekam eine Ahnung von der Angst, dem Leid und dem Schrecken, die dort vor heute genau 65 Jahren ihr Ende fanden. Ich fror trotz der Hitze. Einige alte Veteranen mit ihren Fahnen waren heute hier, rote und weiße Rosen lagen bereit, am Fuße des Denkmals war unter einem Sonnensegel gestuhlt für die Gedenk-Feierlichkeiten am Abend. Die Rückfahrt führte mich dann auf der Rückseite des Berges durch weite Wälder, viele Serpentinen und eine einsame Straße und ließ mich meinen Gedanken nachhängen und mich so langsam in die Gegenwart zurückfinden.

Freitag, 25. Juni 2010

nächste Etappe: Waltenheim

Nach einigen Navi-Verwirrungen lasse ich dann Strassburg doch endlich hinter mir und die Fahrt führt durch etliche kleine und schmucke Dörfer nach Waltenheim. Dort gibt es einen Stellplatz direkt an einer kleinen Schleuse. Der kleine Ufergrünstreifen gehört zur angrenzenden Wirtschaft und so gehe ich erst mal vespern. Bei der Hitze genieße ich eine Tellersülze und ein eiskaltes Radler. Die Wirtin ist ausgesprochen freundlich und auskunftsfroh und erzählt gleich über das Dorf, die Geschichte und erklärt uns das "Hexenhaus" gegenüber. Ein kleines, schön renoviertes Häusle, über und über mit der Geschichte von Hänsel und Gretel bemalt. Sieht lustig aus und ist die Touristenatraktion hier in dem kleinen Ort. Ich mache einen Bummel durch den kleinen, alten Ort, bewundere die renovierten und auch die fast zerfallenen Fachwerkhäuser, freue mich an den bunten Gärten, den Katzen in den Fenstern und den Hunden in den Eingängen. Zurück am Kanal hole ich Tisch und Stuhl heraus und beobachte einige Schiffe, die sich der Schleuse anvertrauen. Mit einem der Kapitäne unterhalte ich mich, während er auf die richtige Wasserhöhe wartet: Ich bin überrascht - auf nur ca. 30 km seiner Flussstrecke hat er über 30 Schleusen zu überwinden. Da reicht die Zeit gerade mal für 1 Fahrt am Tag. So langsam senkt sich die Nacht über das Wasser und mir fallen die Augen zu. Ich verschwinde in mein Bett
und lasse mich vom Rauschen des Kanals in den Schlaf begleiten.

weiter Richtung Mutzig

Um 4.30 h bin ich zum ersten Mal aufgewacht: fröhliches Vogelgezwitscher "ums Haus" drang bis tief in meinen Schlaf. Durchs Fenster sehe ich die Äste der Trauerweide über mir und um mich. Ich höre dem Vogelgesang zu und schlafe nochmal tief und fest ein. Und dann Premiere in der Dusche: es ging eigentlich ganz gut - trotz der Enge und des Duschvorhangs, der logischerweise gleich am Körper klebte. Kaffee-kochen und frühstücken im Sonnenschein mit Blick auf die Altstadt. Um 10.30 h gehts weiter Richtung Mutzig. Dort soll eine Festung sein, die für die damalige Zeit als hochmodern galt. Die Geschichte des Elsass hält mich immer wieder gefangen. Auf der Fahrt scheppert es hinter mir und ich halte an: ich hatte alles auf Sicherheit geprüft vor der Abfahrt - aber die Verriegelung des Kühlschranks war mir entgangen. Nun kullern die Aprikosen durchs Auto, Käse und Wurst liegen dekorativ dazwischen. Die Eier und das Gurkenglas haben sich aber tapfer gehalten. Ich räume alles wieder ein, sichere den Riegel und kontrolliere nochmals die Schränke. Nun sollte eigentlich alles sicher und fest sein. Ich fahre weiter.
Mutzig ist ein bezauberndes Städtchen. Sehr sauber, viele bunte Blumenkästen, buntlackierte Bleckblumen an den goldfarbenen Straßenlaternen. Durchs Städtchen durch, den Berg hoch, enge Straße mit vielen Schikanen - ich übe Flori-fahren. Hoch oben dann die Festung. Eine sehr beeindruckende riesige Anlage, die aber auch das Leben dort oben unter den Kriegsumständen ahnen lässt. Leider habe ich die Führung in den unterirdischen Gängen verpasst.
65 Jahre nach Kriegsende hat sich die Natur einen Teil der Anlage wieder zurückerobert und verdeckt dieses erinnerungsschwere Gelände inzwischen mit großen Wiesenflächen, bunten
Blumenteppichen und vielen Büschen.